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Aktionsraum

Die Aktionsraumgröße der Kleinspechte verändert sich im Jahresverlauf beträchtlich (HÖNTSCH 1996). Insbesondere im Winter und zur Balzzeit legen die kleinsten einheimischen Spechte große Strecken zurück. So bewegen sie sich in Aktionsräumen von maximal 410 ha im Winter, was ungefähr einer Fläche von 400 Fußballfeldern entspricht. Während der Balzzeit verkleinert sich die genutzte Fläche auf etwa 300 ha. In der Brutzeit sammeln die Kleinspechte die insektenreiche Nahrung für ihre Jungvögel in durchschnittlich 30 ha großen Gebieten (HÖNTSCH in Vorbereitung). Damit liegen die Raumansprüche der spatzengroßen Kleinspechte weit über denen anderer, schwererer und größerer Spechtarten. Den Gründen hierfür wird im Rahmen dieses Forschungsprojekts nachgegangen.

"Paul" am Zweig

Habitatnutzung

Die besenderten Kleinspechte nutzen einen sehr abwechslungsreichen Lebensraum (HÖNTSCH 1996). Im Untersuchungsgebiet werden hauptsächlich Obstwiesen, Laubwälder, Ufergehölz und Fichtenwälder aufgesucht. Bei der Nahrungssuche wird keine spezielle Baumart bevorzugt. Viel mehr werden gezielt dünne tote Zweige im Baum angeflogen. Bei der vorwiegend hackenden Nahrungssuche finden die Spechte hauptsächlich Käfer- und Schmetterlingslarven. Allerdings zeigt sich auch hier eine saisonale Veränderung. Mit zunehmender Belaubung im Frühjahr gehen die Vögel dazu über, ihre Nahrung von den Blättern der Apfelbäume, Weiden und Eichen abzulesen (HÖNTSCH in Vorbereitung). Sie ernähren sich und ihre Jungvögel dann hauptsächlich von Blattläusen, Schmetterlingsraupen und Kohlschnaken. Dabei werden auch Ameisen aufgenommen (ROßMANITH 1999). Habitat- und damit auch Nahrungswahl werden u.a. in Bezug auf den Bruterfolg näher untersucht.

"Gildo" an der Höhle

 

Höhlennutzung

Kleinspechte beziehen nur selbstgebaute Höhlen zum Schlafen und zum Brüten. Höhlenbau findet ganzjährig statt, allerdings verstärkt von Ende März bis Mitte Mai, wenn die Bruthöhlen gebaut werden. Die Höhlen werden meistens in dünnen Ästen, mit nur 15 cm Durchmesser angelegt. Dabei wird keine spezielle Baumart bevorzugt; wichtig ist aber, dass der Ast oder Stamm morsch, also oft schon mehrere Jahre abgestorbenen ist. Dadurch wird das Holz weich genug, damit die kleinen Spechte es bearbeiten können. Diese Höhlen in faulendem Holz sind jedoch nicht lange haltbar. Deswegen müssen Kleinspechte in einem Jahr mehrere Höhlen bauen. Schlafhöhlen finden sich oft nicht im Zentrum der Aktionsräume, sondern eher am Rand eines Spechtlebensraumes. Die Bruthöhlen liegen allerdings im Zentrum der Reviere und in kurzer Distanz zum Laubwald, der zur Brutzeit eine wichtige Rolle bei der Nahrungssuche spielt. Welche Parameter Einfluss auf die Wahl des Höhlenstandorts haben wird ermittelt.


Jungvögel (Weibchen und Männchen), 16. Tag


Jungvogel (Männchen), 14. Tag

Brutbiologie

Durch die intensive Beobachtung der Kleinspechte mit Hilfe der Radiotelemetrie gelang es 1996 erstmals, Polyandrie bei den bisher als monogam geltenden Kleinspechten nachzuweisen (HÖNTSCH 1996). Auch 1998 konnte wieder ein Weibchen bei der Verpaarung mit zwei Männchen beobachtet werden.
Mit der Eiablage beginnen die Kleinspechtweibchen Ende April. Sie legen im Durchschnitt 5 Eier und beginnen nach dem letzten Ei mit der Bebrütung. Da Schlupf- und Ausflugerfolg eher gering sind, fliegen aus einem Nest durchschnittlich nur zwei bis drei Junge aus (ROßMANITH 1999). Noch bis zu zwei Wochen werden die Jungvögel von jeweils einem Elternteil geführt, bevor sich die Familien auflösen. 10% der nestjung beringten Kleinspechte konnten im Untersuchungsgebiet als Brutvögel im Folgejahr wieder aufgefunden werden.

 

 


 

Lautäußerungen

Die bekanntesten Lautäußerungen von Kleinspechten sind die "kikiki"-Rufreihe und die langen, leisen Trommelwirbel, die man nur in der Balzzeit hören kann. In dieser Zeit, von Februar bis Ende April, ist der Kleinspecht gerade in den Morgenstunden bis in den Mittag hinein besonders ruffreudig: bei fast der Hälfte aller Beobachtungen am Morgen haben die Kleinspechte gerufen und in 15 % der Fälle auch getrommelt. Mit Beginn der Brutzeit im Mai verstummen die Kleinspechte allerdings und sind erst im Juni mit den ausgeflogenen Jungen wieder besser wahrnehmbar (CAMPOLATTANO 2001).
Welche Funktion Ruf- und Trommelreihe haben, ob sie standortabhängig sind und ob es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt ist Thema dieser Untersuchung.